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Waldspaziergänge mit Försterin und Förster

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Begehung im Schönberger Wald:

Wenn aus Emotion Verständnis wird




Am 17. Juni um 17 Uhr war es soweit: Auf Einladung des Bürgerverein Schönberg e. V. stellten sich die beiden Förster Götz von Bülow und Felix Schulz den Fragen der Schönberger und Degerlocher Nachbarn. Der Anlass: Die starken Einschläge trieben so manchen Anwohnern, die unseren Wald intensiv nutzen, „die Tränen in die Augen“, wie einige von ihnen zu Beginn der Führung ausführten. Den Verantwortlichen im Schönbucher Forstbezirk von ForstBW, zu welchem unser Wald gehört, hatten zwar schon Informationstafeln aufgestellt, suchten aber auch den direkten Austausch mit den Bürgern. Vorab das Fazit: Fast alle der knapp 30 Interessenten blieben bis zum Ende der sehr informativen Begehung und konnten sich davon überzeugen, dass die Forstverwaltung für ihre Waldarbeit gute Gründe hat.


Was hat diesen Umschwung bewirkt? Zunächst wurde durch die Waldexperten klargestellt, dass in unserem Wald ein integriertes Bewirtschaftungskonzept gefahren wird, welches auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit aufbaut. Mehrere gleichrangige Ziele werden also verfolgt: die wirtschaftliche Nutzung des Holzes, der Freizeitwert und mehrere Schutzfunktionen wie Arten-, Wasser- und Bodenschutz. Ein ästhetisches Waldbild kommt in diesem Kanon nicht vor, wurde aber während des intensiven Austauschs wiederholt gefordert – eine unmögliche Aufgabe, da sie nicht fassbar und höchst subjektiv ist.


Es ist den beiden Experten gelungen, den interessierten Anwohnern die Bedeutung des Holzeinschlags nahezubringen, der idealerweise dazu führen kann, dass durch Wohnungsbau mit Holz langfristig CO2 der Atmosphäre entzogen werden kann; dies stellt für den Klimaschutz einen sehr wichtigen Beitrag dar, wenn dafür weniger energieintensiv erzeugter Beton verbaut werden muss. Zumal der Bedarf dieser nachwachsenden Baumaterialien aus heimischer Produktion durchaus gedeckt werden könnte. Und trotzdem wurden in den letzten Jahren die für eine nachhaltige Wirtschaftsweise möglichen Einschläge unterschritten: anstelle von 78 Festmetern pro Hektar und Jahr waren es nur 57. So ist auch verständlich, dass die Holzmenge in unserem Wald jährlich ansteigt! Neben diesem eingeschränkten Einschlag ist dies auch darauf zurückzuführen, dass 10 Prozent der Fläche als Refugien ausgewiesen sind, auf denen keinerlei Bewirtschaftung stattfindet. Neben großflächigen Teilgebieten können dies auch kleinere Gruppen von 15 Bäumen sein, die sorgfältig ausgesucht werden und Rückzugsorte für viele Insekten, und Vogelarten sind, wie die Besucher vor Ort feststellen konnten. Diese ließen sich von der genauen Erfassung der Bestände, der regelmäßigen Untersuchungen der Arten und der Bodeneigenschaften sowie dem umfassenden Wissen der Forstbeamten durchaus beeindrucken. Die etwas angespannte Stimmung zu Beginn wich zunehmend dem Interesse an den dargelegten Zusammenhängen. Auch für die sehr augenscheinlichen Einschläge entlang der gern benutzten Spazierwege konnten die Experten schließlich Verständnis wecken: Diese waren dem Eschentriebsterben geschuldet, einer Pilzkrankheit, welche sich seit 20 Jahren in Europa ausbreitet. Will man die letzten Bestände retten, mussten befallene Exemplare gefällt werden – eine schmerzliche, aber unumgängliche Maßnahme. Wir hoffen alle, dass sich diese schöne Baumart in unserem Wald halten wird.


Der Wald ist ein hoch dynamisches System, wie von Bülow ausführte, und das wird sich gerade in den kommenden Jahren sehr deutlich zeigen, wenn die klimabedingte Anpassung vonstatten geht. Die Forstverwaltung setzt auf den Nachwuchs einheimischer Arten wie Eichenarten, Elsbeere, Ahornarten, die Hainbuche, auch Walnuss und Kastanien; die bisher dominierende Buche leidet unter der zunehmenden Trockenheit am meisten und wird in ihrer Bedeutung abnehmen.


Der Wald wird also einem grundlegenden Wandel unterliegen. An dem kommen wir alle nicht vorbei. Die Begehung hat gezeigt, dass wir Bewohner in der Forstverwaltung bei den enormen Anforderungen, die der Klimawandel an den Wald stellt, einen verlässlichen Partner haben.


Dr. Ulrich Schmidt Aufgrund der guten Resonanz fand am 8. Juli 2021 ein weiterer, von Försterin Kathrin Klein und Förster Felix Schulz geführter Waldspaziergang statt.

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